Freitag, 13. Oktober 2017

Gedanken #03

 Realität


Bildquelle
[Re|a|li|tät
Realität, die
Substantiv, feminin
1. Wirklichkeit
2. reale Seinsweise
3. tatsächliche Gegebenheit, Tatsache]


Das war kein Traum.
Sie konnte nicht aufwachen. Auch wenn sie es mehr als alles anderes wollte.
Aufwachen.
Aufwachen.
Aufwachen.
Einfach aufstehen, einen neuen Tag beginnen lassen.
Doch das war kein Traum.
Es war Wirklichkeit, real. Kein Traum.
Sie fing wieder an zu weinen. Sie konnte einfach nicht anders.
Seit Wochen fühlte sie es nun schon. Sie fühlte sich ausgestoßen im großen Kreis ihrer Freundinnen. Sie fühlt sich nicht mehr zugehörig. Sie fühlte sich anders.
Jeden Abend weinte sie sich in den Schlaf, seit sie es bemerkt hatte.
Die anderen gingen Abends aus, trafen sich mit Jungs, hatten die wildesten Geschichten auf Lager.
Diese Welt war nichts für sie.
Sie war ruhig. Hatte absolut keine Lust sich zu betrinken oder irgendwo mit einem fremden Jungen ins Bett zu steigen, nur damit sie etwas zu erzählen hatte.
Doch nun merkte sie, dass sie wie eine Ausgestoßene war. In der Schule konnte sie nur daneben stehen, wenn die anderen, ihre besten Freunde, über ihre wilden Wochenenden redeten.
Sie stand immer nur ruhig da, wusste, dass sie sowieso nie gefragt würde einmal mitzukommen.
Wahrscheinlich würde sie sowieso nein sagen.
Aber es fühlte sich schon schlimm genug an nicht mal mehr gefragt zu werden.
Und so redeten ihre Freunde inzwischen auch nicht mehr mit ihr.
Sie stand in den Pausen alleine auf dem Schulhof und scharrte mit den Füßen im Dreck.
Jedes mal war ihr nach weinen zu mute.
Jeden Abend.
Jede Nacht.
Sie schlief kaum noch.
Sie dachte nur noch ans dazu gehören.
Sie wusste, sie selber tat es nicht mehr.
Sie wusste sie würde nie sein wie die anderen.
Sie war immer lieber bei ihren Büchern. Sie wollte auch nicht sein wie die anderen und doch versuchte sie es krampfhaft.
Sie wollte nicht mehr alleine sein.
Wollte aus dem Traum aufwachen.
Wollte nicht mehr weinen.
Nicht mehr jeden Abend.
Nicht mehr jede Nacht.
Wollte der realen Realität entfliehen.
Und doch wusste sie, es war aussichtslos.

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